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Stiftungen als Akteure gesellschaftlichen Wandels – Philanthropie als Faktor in der internationalen Politik
Dr. Arend Oetker, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Präsident Stiftungen als Akteure gesellschaftlichen Wandels – Philanthropie als Faktor in der internationalen Politik / Arend Oetker, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Präsident / Zusammenfassung | f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung
19.02.2009, 19:00 Uhr Studienstiftung des deutschen Volkes, Jägerstr. 22/23 (Nähe Gendarmenmarkt)

"Stiftungen als Akteure gesellschaftlichen Wandels – Philanthropie als Faktor in der internationalen Politik"

In einer kurzen persönlichen Einführung stellte Herr Dr. Oetker seine Tätigkeit als Unternehmer und sein Engagement im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft dar.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass gerade dieser doppelte Erfahrungshintergrund als erfolgreicher Unternehmer und einer der profiliertesten Kenner des deutschen Stiftungswesens bei den Teilnehmern auf großes Interesse stieß. So kreiste ein erster Fragenkomplex um die unterschiedlichen Motivationen und Handlungslogiken sowie die Frage der Rollenverteilung zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zur Frage der Handlungslogiken machte Herr Oetker in seinen Antworten deutlich, dass Wirtschaft und Zivilgesellschaft für ihn keine getrennten oder sogar gegensätzlichen Sphären darstellen. Sicherlich gebe es unterschiedliche Zielsetzungen, ökonomische Effizienzsteigerung in der Wirtschaft bzw. eine persönliche, emotionale Motivation des Stifters im Stiftungswesen. Ein Mehrwert für die Gesellschaft könne aber aus Philanthropie nur dann entstehen, wenn sie in ein sinnvolles ökonomisches Konzept und stabile staatliche Rahmenbedingungen eingebunden sei. Daraus zog er schließlich ganz konkrete Schlussfolgerungen: Zum einen gelte es immer, das Profitstreben als einen positiven Lebenstrieb jedes Einzelnen zu aktivieren und für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Dabei seien Anreize wichtig, die Engagement und Initiative förderten. Die Welt zu beschenken funktioniere nicht und führe „zum schnellen Tod.“ Zum anderen müsse auch Stiftungshandeln von der Frage nach Effizienz geleitet werden, nämlich der Frage, wie das vorhandene Geld eingesetzt werden könne, um eine möglichst große Wirkung und Multiplikation zu erreichen.

Als weiterer Aspekt des Verhältnisses von Wirtschaft und Zivilgesellschaft wurde die Beziehung von Unternehmen und Unternehmensstiftungen bzw. zwischen wirtschaftlichem Handeln von Unternehmen und ihrer Corporate Citizenship diskutiert. Die guten Unternehmensstiftungen, so Dr. Oetkers Meinung, wüssten die Ziele ihres Unternehmens und die der Stiftung durchaus zu trennen. Allerdings habe die Zukunft des Unternehmens, also die Sicherung von Arbeitsplätzen, klaren Vorrang vor der Gründung oder dem Fortbestehen einer Stiftung.

Die Bewertung der Effizienz spielte auch in weiteren Diskussionsbeiträgen und den zuvor eingereichten schriftlichen Fragen eine große Rolle. So wurde auf die Gefahr von zu vielen kleinen, untereinander nicht abgestimmten Initiativen im Stiftungsbereich verwiesen. Herr Oetker empfiehlt in diesem Zusammenhang – als Unternehmer wie als Stiftungsmanager – vor allem, verlässliche Menschen zu finden, die die Bedingungen und Netzwerke vor Ort kennen. Insbesondere persönliche Beziehungen spielten auf dieser Ebene eine maßgebliche Rolle. Dabei sei es auch wichtig, dass diese lokalen Mitarbeiter in der Lage seien, neben ihrem Idealismus effizienzorientiert und zielgerichtet vorzugehen. Sind diese Faktoren nicht gegeben, so seien Aktivitäten von Stiftungen eine Verschwendung von Ressourcen („Abenteurer sind nie die Lösung für ein Problem“).

Viele der angesprochenen Punkte kamen auch im zweiten Fragenkomplex in variierter Form zur Sprache, in dem es um das eigentliche Thema der Veranstaltung, nämlich das internationale Engagement von Stiftungen ging. Herr Oetker wies zunächst darauf hin, dass der überwiegende Teil der deutschen Stiftungsaktivitäten regionale und lokale Zielsetzungen habe. Dies sei aus der persönlichen Motivation von Stiftern zu erklären, die in der Regel ihrem Heimatort und den Menschen aus ihrer Region bei ganz konkreten Anliegen zur Seite stehen wollten. Den Ausgangspunkt bilde dabei immer die individuelle Motivation und Erfahrung des Stifters. Die Herausforderung bei der Beratung zur Stiftungsgründung ist somit oftmals, die Bereiche, in denen ein stärkeres Engagement wichtig wäre, mit den persönlichen Erfahrungen der Stifter in Beziehung zu bringen und so die Motivation und Betroffenheit des Stifters „in die richtigen Bahnen zu lenken“. Die mangelnde persönliche Betroffenheit sei meist auch der Grund, warum die Auslandstätigkeit von Stiftungen oft sekundär sind und oft nur beispielsweise im Angesicht großer humanitärer Katastrophen entwickelt werden.

Wenn Stiftungen im Ausland aktiv würden, sei es vor allem wichtig, dass stabile staatliche Strukturen und ein Minimum an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit vorhanden seien. Für akute Krisenregionen und Postkonflikt-Staaten wie Irak und Afghanistan sieht Herr Oetker vor allem die Wirtschaft in Zusammenarbeit mit staatlichen Akteuren der Internationalen Zusammenarbeit in der Verantwortung. Konkret verwies er auf eine Zuckerfabrik, die im Norden Afghanistans als öffentlich-private Partnerschaft mit Hilfe einer seiner Firmen, des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entstanden sei. Stiftungen seien für diese Gebiete weniger geeignet oder um es pointierter wiederzugeben: „Stiftungen können nie die Lösung sein.“ In Regionen, wo Sicherheit und wirtschaftlicher Aufschwung stabiler seien, wie beispielsweise auf dem Balkan, könnten Stiftungen aber sehr viel beitragen. Dazu bedürfe es eines langfristigen Engagements, größerer finanzieller Ressourcen und des richtigen Durchhaltevermögens, wie es beispielsweise die Robert Bosch Stiftung bei ihren Auslandsaktivitäten beweise.

Zusammengefasst von Ole Jantschek

Für diese Veranstaltung verantwortlich:
Joanna Münker, Sebastian John und Paul-Georg Friedrich
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